Kann Folsäure Krebs erzeugen?

Von Zeit zu Zeit gibt es „News“ über potentiell gefährliche (Neben)Wirkungen von Vitaminen. Jetzt ist die Folsäure dran. Man habe „Hinweise“, dass Folsäure, neuerdings auch als Vitamin B 9 bezeichnet, krebserregend sein könne. Folsäure Nebenwirkung Krebs, also kurz gesagt.
Das ist zu lesen auf „Der Gesundheitsblog“ unter dem Titel Folsäure/Vitamin B6: Zu viel davon kann die Gesundheit gefährden.

Gut, oder besser: verwirrend.
Denn jahrelang haben wir gehört, dass Folsäure eher positiv wirkt und die in oben genanntem Artikel angegebene Menge von 1000 µg (= 1 mg) wurde bisher allgemein als sicher unschädlich und wahrscheinlich gesundheitsförderlich eingestuft.
Aus dieser Perspektive gesehen, stellt sich die Frage auf welcher Datenbasis die Behauptung ruht: „Seit dem Jahre 2007 sind die Forscher der Meinung das ab einer Menge von 1000 Mikrogramm die Gefahr wächst an Krebs zu erkranken.“ (Zitat aus dem Gesundheitsblog)

Vergeblich sucht der Leser nach einer Quellenangabe.
Gegoogelt nach ‚Folsäure Krebsgefahr‘ landet man auf einem Artikel mit dem Titel Folsäure: Das Janus-Vitamin – aha, von dort hat der Gesundheitsblog seine Meldung. Aber von wo hat doccheck.com seine Informationen in diesem recht gut recherchierten Artikel?

Im wesentlichen argumentiert der Autor dort, dass die zunehmende Häufigkeit von Darmkrebs in Staaten, die die Beimischung von Folsäure in verschiedene Lebensmittel fördern oder sogar vorschreiben, ein Hinweis auf die krebserregende Wirkung der Folsäure sei.

In irgendeinem der zahlreichen und interessanten Kommentare zu diesem Artikel wird zu Recht darauf hingewiesen, dass eine statistisch signifikante Korrelation noch keinen Kausalzusammenhang nachweist.
Die Probleme in der Interpretation von Statistiken beruhen offenbar auf einer Lücke im Verständnis von Testtheorien und Statistik bei Medizinern ganz allgemein. Es ist nun mal nicht ihr Spezialgebiet, was sie allerdings nicht davon abhält, munter ihre voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Eine falsche Interpretation wie diese wird auch nicht besser, wenn man sie auf mehrere Statistiken anwendet, wie es der Autor in einem Kommentar tut („…zwar zum Teil gering, aber dennoch signifikant ist, und das in mehreren Ländern“). Zwei Sätze weiter schreibt der Autor in Beantwortung eines kritischen Kommentars:
„Sie haben recht, z.B. Brustkrebszahlen in Amerika sinken seit der Anreicherung. „

Ach so? Die Brustkrebszahlen sinken, seitdem man in den USA Nahrungsmittel mit Folsäure anreichert??

Also liebe Leute …
Im ersten Absatz oben steht noch „Aber es fördert auch die Vermehrung von Krebszellen“ – die Folsäure.
Einige Zeilen weiter unten stellt derselbe Autor fest, dass Brustkrebszahlen sinken, seitdem man in den USA Nahrungsmittel mit Folsäure anreichert….

Ganz abgesehen davon, dass auch dies keinen Kausalzusammenhang nachweist, sondern nur eine statistisch auffällige Korrelation, konterkariert die Aussage doch trotzdem so ziemlich alles, was vorher gesagt wurde, inklusive einiger Naturapostel-Kommentare, die schon immer gewußt haben wollen, dass Folsäure nur dann „gut“ ist, wenn es aus einem „natürlichen Nahrungsmittel“ (gleichsam aus der Hand Gottes) kommt.

Vielleicht sollten wir uns dann auf die Strategie einigen, nur Frauen Folsäure zu verabreichen, denn erstens sind sie es, die die Kinder gebären, die bitte ohne Neuralrohrdefekte erwünscht sind. Zweitens können sie ja offenbar mit Folsäure vor Brustkrebs geschützt werden und drittens machen wir halt dann alle 2 Jahre eine Darmspiegelung, damit sie uns nicht mit Darmkrebs erkranken. Prostata haben sie ja keine.

Ist doch alles in Butter – oder ?? „Forschung“ absurd. Kommentare erwünscht….

8 thoughts on “Kann Folsäure Krebs erzeugen?

  1. Also ich hab das auf diversen Seiten anders Verstanden! Kann mich ja auch irren, aber ich denke, dass Folsäure vor Krebs schützt, aber sobald ein Tumor vorhanden ist wird dieser mit Folsäure „genährt“ (kurze Anmerkung hierzu: Folsäure spielt auch eine Rolle bei der Zellteilung …)! Krebszellen nehmen somit vermehrt dieses Vitamin auf!!!

    Neuesten Forschungen zugrunde will man jetzt versuchen die Zytostatika aus der Krebstherapie mit Folsäure in Krebszellen einschleusen! –> Chemotherapie sollte dadurch viel effektiver sein!
    (siehe hierzu auch das Wissensmagazin scinexx: Artikel: „Krebstherapie: Vitamin (Folsäure) als trojanisches Pferd!“

    Hoffe ich konnte etwas zur Entwirrung beitragen!

    • Wenn man die Ankündigungen zu angeblich unmittelbar bevorstehenden „Durchbrüchen“ der Krebstherapien in den letzten 30 Jahren Revue passieren läßt, hat man für diese Art von Strategien nur ein müdes Lächeln übrig … Zynisch vielleicht, aber die Hoffnung, mit der Folsäure einzuschleusen, wird mit Sicherheit keine Früchte tragen, was die wirksame Krebsbehandlung angeht. Dass Folsäure bei Krebs das Krebswachstum beschleunigen soll, dafür fehlt jeglicher „in-vivo“-Beweis. Das sind Latrinenparolen, sorry.

  2. Minella zu Marie Juli 13th, 2010 15:58

    Admin hat m. E. deutlich gesprochen. Junge Informationen wie u. a. beiscinexx oder andere dem Verbraucher zugängliche Med Informationen erlauben dem Einzelnen grundweg keine allgemeine Bewertungsgrundlage oder klinische Beurteilungsgrundlage.In Sachen Krebstherapie ist das ein sehr eigenes Feld. In Sachen Schwangerschaft finde ich den Gang zum Endokrinologen, Immunologen und Frauenarzt weiter vorrangig, auch mit Blick auf die Fragestellung zur Ernährung vor während und nach der Schwangerschaft. Im übrigen finde ich den Informationsgehalt der Seite vitamine-und-mehr.org recht wertvoll; plus einer ärztlichen Ernährungs-/Diätberatung analog Blutbild ist maßgeblich – auch in Bezug auf Fertilisation.
    Hier gibt es Experten in verschiednen Kliniken mit Spezialisierung zu Fertilitäts-Fragen.

  3. Wenn der Autor dieses Artikels richtig gesucht hätte, wäre er durchaus fündig geworden. Es gibt insgesamt drei Interventionsstudien bei denen die Folsäuresupplementierung zu einem signifikant erhöhten Krebsrisiko führte. Zwei werden hier genannt:

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/prostatakrebs/article/542312/ungereimtheiten-folsaeure-krebs.html

    Deweiteren ergab diese langjährige Studie ein 258% erhöhtes Protatakrebsrisko bei einer Intervention mit 1mg Folsäure:

    http://jnci.oxfordjournals.org/content/101/6/432.full

    Diese Ergebnisse zu verschweigen bzw. kleinzureden ist absolut verantwortungslos!

    Nicht umsonst haben seriöse Hersteller von Vitaminpräperaten wie die LEF nach bekanntwerden der genannten Studien ihre Präparate auf natürliche Folate umgestellt und auch die Dosierung teilweise deutlich reduziert.

    • Na, nun aber mal sachte. Ich verschweige sie nicht und rede auch nichts klein. Was unschlüssig ist, muss aber auch unschlüssig genannt werden dürfen.
      Wer den Ärzteblattbeitrag wirklich liest, was ich sehr empfehle, kommt danach ein wenig ratlos raus, oder?
      Ich stimme Ihnen zu, dass die LEF als eher seriöses Unternehmen entsprechende Konsequenzen gezogen hat. Ob diese richtig sind, wäre ja lt. Beitrag des Ärzteblattes erst noch zu beweisen, sprich: ist nicht bewiesen.
      Interessant ist ja, dass diejenigen, die bei Studienbeginn schon gute Folatspiegel hatten, auffällig wenig Prostata-Krebs entwickelt haben. Diejenigen hingegen, die bereits zu Beginn der Studie einen niedrigen Spiegel hatten, denen hat offenbar auch die isolierte Supplementierung nichts genutzt, anscheinend sogar im Gegenteil.
      Daraus zu folgern, dass synthetische Präparate, so etwas wurde anscheinend verwendet, das Krebsrisiko erhöhen, ist ja nicht logisch. Genausogut könnte man spekulieren, dass die ISOLIERTE Gabe von Folat ungute Wirkung habe. Die LEF steht ja nicht alleine mit Ihrer Empfehlung, möglichst vollständige Kombipräparate wie z.B. LifeExtension Mix zu bevorzugen. Dieser Ansicht neige ich auch zu. Vielleicht können auch Sie dem zustimmen.
      Etwas anderes noch: Wie kommt es, dass bestimmte Personen einen höheren Folatspiegel mitgebracht haben, andere einen niedrigeren. War es wirklich nur eine vielleicht unterschiedliche Ernährung oder gibt es auch Faktoren, die Folat „verbrauchen“ …? Das wäre ja auch mal eine interessante Forschung zur Prevention.

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